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Monday, May 25, 2015

Töffferien, die keine waren

 Es fing alles gut an - so die ersten 1-2 Stunden. Am Auffahrtsdonnerstag fuhren wir ab, der Brüetsch und ich, auf Buell und Benelli.
Der Benelli ging dann in Uri die Most aus. Tankanzeige defekt.
Na ja, halb so schlimm. Ich ging auf der Buell 750 mL holen (für irgendwas hat man eine Trinkflasche dabei, auch wenn sie nie mehr als Trinkflasche benutzt werden kann wenn mal Benzin drin war. Den Geruch kriegt man ums verrecken nicht weg). Oberalp und Lukmanier waren schön, wenn auch etwas verkehrreich. Man merkt dann beim Überholen-wollen auch den Unterschied zwischen 140 Italo-PS und die 100 der V2... Wenigstens wars trocken, und in Italien wurde es richtig warm und sonnig.
Am Nachmittag hatten wir die Berge vorerst hinter uns. Am ersten Tag wollten wir das Plateau möglichst überquert haben, um am Freitag Ligurien in Angriff nehmen zu können. So kam es dann auch, obwohl die Benelli die Diva ein zweites Mal raushängen liess und die Hauptsicherung verbratete. Der Brüetsch war so weitsichtig und hatte einen Ersatz mitgenommen, also war auch dieses Problem innerhalb einer Stunde behoben. Den Sicherungsdeckel liess er gleich weg, und ein Scheinwerfer hängte er ab, um die Sicherung zu schonen. Die zwei Ersatzsicherungen, die er  gleichentags in einem Baumarkt besorgte, wurden nicht mehr verwendet. Wenn er LEDs in die Scheinwerfer einbaut sollte die 30A-Sicherung auch heisses Wetter standhalten können.
Am ersten Abend übernachteten wir im Hotel Rallye in Voghera. Der Regen, der einsetzte, endete etwa gleichzeitig mit unserer Abreise am nächsten Morgen, und so konnten wir uns frohen Mutes in die Berge schwingen. Etappenziel war Florenz.
Der Brüetsch fand eine winzige, holprige Bergstrasse die uns einige schönen Aussichten beschehrte. Beim Rauffahren kam bei der Buell plötzlich die Motorlampe. Sie lief ganz normal also dachte ich nichts schlimmes dabei. Das US-Map, welches ich letztes Jahr draufmachen liess, macht immer wieder Probleme, und das Beast mag ja keine Feuchtigkeit... Ich dachte, es sei harmlos, wie üblich.
Wir machten Fotohalt, tankten in einem Bergkaff 100 Oktan, kamen wieder auf eine grössere Strasse... Es begann wieder grosse Tropfen zu regnen also hielten wir wieder an, damit ich mir meine Regenhosen über die Rokker-Jeans ziehen konnte. (Ja, ich toure in Jeans und Textiljacke. Spart einiges an andere Klamotten und ist super zum rumklettern oder mal durch ein Dorf schlendern, wenn wir irgendwo was entdecken welches ein Absteigen und Rumlaufen erfordert.)
Schwang mich wieder in den Sattel, drückte den Starter...
Kla-klack.
Und mehr war da nicht rauszuholen.
Die Batterie wars nicht; die wurde letztes Jahr gewechselt, und die Lämpchen leuchteten normal. Die Zündkerzen waren auch ganz frisch. Der Brüetsch zog sich Helm und Handschuhe aus und machte sich mal schlau - so gut es ging, ohne Multimeter.
Er hatte schlauerweise Kupferkabel - irgendwelche Audiokabel, die sich gut abisolieren liessen - eingerollte und mitgebracht. Mittels diesen stellten wir fest, dass meine Batterie Strom zog. (Die Benelli ist mittlerweile mit einem kraftvollen Lithium-Block ausgestattet. Ohne selbigen wäre die Reise wohl ganz anders verloffen.) Der Brüetsch sagte, das Problem sei entweder Stator oder Regler.
Die Benelli lud die Buell soweit, dass sie wieder starten konnte. Und wir fuhren weiter, einige Kilometer. Aber das Problem war nicht mehr wegzukriegen. Die Buell begann bald zu husten und zu spucken. Die Lämpchen wurden immer dunkler. Sie hatte kaum Leistung, aber manchmal kam sie doch wieder, wenn ich den Hahnen voll offen hatte... Es war stellenweise richtig gefährlich.
Irgendwann stellte de Motor einfach ab. Zum Glück rollten wir gerade bergab und ich konnte in eine Bucht rein. Dort verbrachten wir die nächsten 20 Minuten. Die Benelli lud die Buell und der Brüetsch checkte meine Sicherungen und sämtlich Stecker und Elektroleitungen durch.
Am Schluss waren wir uns einigermassen sicher, dass der Alternator schuld war. (Ich sehe gerne auf Vorrat schwarz, damit ich nicht frustriert bin wenn ich recht behalte und mich freuen kann, wenns doch nicht so schlimm ist.)
Das war keine Reparatur für den Strassenrand. Ich fand den nächsten Harley-Mech in Genua, etwa eine Stunde entfernt. Wir dachten, mit wiederholtem Laden würden wir es vielleicht schaffen. Es war Mittagszeit, und gemäss Internet hatte er werktags bis 19 Uhr offen, also sollte es zeitlich reichen.
Wir sammelten alles wieder ein und fuhren noch mal ab. 15 Minutes laden reichten schlussendlich für 15 Minuten Fahrt. Regenwolken sammelten sich langsam. Als der V2 dieses Mal starb steuerte ich das Beast zu einem Parkplatz am Strassenrand. Kilometer 69 der SS45, Ausfahrt Zerba. Und dort verbrachte ich die nächsten viereinhalb Stunden. Ich hatte natürlich ein Buch dabei, also war die Zeit nicht ganz verloren.
Ich telefonierte meine Versicherung, welche mir einen Abschleppdienst organisierten. Gar nicht so einfach, am Auffahrtswochenende. Es vergingen drei Stunden, bis der Lastwagen auftauchte.

Ich musste der Versicherung und den Abschleppern klarmachen, dass sie das Moped nicht dem nächstbesten Mech hinstellten, sondern dem Harley Mech in Genua. Auf Schweizerdeutsch geht es, aber ich lerne erst seit anfangs Jahr italienisch; mit den Abschleppern reden war schon schwieriger.
In der Zwischenzeit war der Brüetsch nach Genua gefahren und hatte uns einen rollenden Ersatz besorgt. Eine kleine graue Fiat 500, die ich sofort Maus taufte. Und mit dem Kärreli machten wir in den nächsten 6 Tagen über 2000 Kilometer.
Die Idee für diese Reise stammte aus dem Wunsch von mir, die verlassene Stadt Craco zu besuchen, ganz im Süden, in Kalabrien. Ich hab eine Faible für verlassene Orte, und nicht erst seit der Reise nach Pripyat und Tschernobyl letztes Jahr.







Auf dem Weg in den Süden sahen wir noch Florenz
Florenzer Wohnungen, am Aussenwand eine Brücke.



Rom
Ruine des Koliseum
den Vatikan
Der Platz vor dem Petersdom
 Anzio
Basilica di Santa Teresa
Napoli
Castello dell'Ovo
Pompeii
Badehause, eingangs der Ruinen
und kamen endlich nach Craco.
Die verlassene kalabrische Stadt
Die Buell war erst am Mittwoch wieder abholbereit, da der genuesische Mech über das ganze Auffahrtswochenende geschlossen hatte. Wir besuchten in der Zeit auch noch die verlassene, oder ehemals verlassene, Ortschaften


Sowie einige Burgruinen. Somit wurde eine regelrechte "Ruinen-Tour" draus. Das Reisen mit Auto hat halt den Vorteil, dass das fahren selber unwichtig ist, und man hat Zeit für anderes. Wir konnten die Ferien also doch geniessen, wenn auch nicht planmässig.

Wie gesagt, die Buell war am Mittwoch abholbereit. Dies, obwohl das Harley Verteilzentrum in Belgien einen falschen Regler geschickt hatte. Der Mech holte sich Erlaubnis von einem Kunden, den Regler eines verkauften XB12S zu nehmen und bei mir zu installieren, damit ich weiterfahren konnte. Das nenne ich Service.
Leider kehrte das Wetter gleich am nächsten Tag. Solange wir die Maus spazierenfuhren hatten wir blauen Himmel und Sonnenschein. Kaum waren wir wieder auf zwei Räder unterwegs goss es wie aus Kübeln. Seufz. Also machten wir uns auf dem Heimweg, ziemlich direkt, durch den Westen anstatt wie Südtirol, da sich dort die Wolken besonders dick stauten.
Der San Bernardino Pass war zu; aus der Gallerie des Tunnels sahen wir schneebedeckte Tannen. Und kalt war es. Da gab es keinen Grund, nicht drei Tage früher zu Hause einzutreffen.
Pessimistisch gesehen kann man sagen, ich fuhr nach Italien um den Regler ersetzen zu lassen. 1300 km nach neun Tage Ferien ist ein Witz - das schaff ich im Sommer normalerweise mit Pendeln und Wochenendausfahrten.
Aber optimistisch gesehen war's gar nicht schlecht. Die Versicherung zahlt den Mech, und mittels Maus konnten wir einiges anschauen, das wir sonst links liegen gelassen hätten. Und hey - ohne Töffklamotten habe ich tatsächlich etwas Bräune bekommen.

Thursday, August 28, 2014

Schraube locker

Erste Alpengrollentour, Passo di Foppa. Ich war ganz hinten, nachdem ich Heiko seine bockige, unter 2000 Touren nicht zu fahrende STT mit 1430er Motor zurückgegeben habe. (Das Drehmoment von dem Ding ist ja geil, aber das Mapping muss unbedingt geändert werden. Standgas und gezogene Kupplung kennt sie so nicht. Stadtfahren, an der Rotampel stehen und Spitzkehren sind furchtbar.)
Der Foppapass ist wie eine Panzerpiste - da schlägts und rüttelts was es nur mag. Beim Beast rüttelte plötzlich auch etwas, das nicht sollte. Ich habe sofort angehalten, bin rumgelaufen, und habe das Problem entdeckt - siehe Bild.
Ich hatte wieder mal saumässig Glück - dass die Schraube noch dran war, dass das bergauf passierte, dass ich mit anderen unterwegs war, die Werkzeug dabei hatten.
Also Bremssattel gerichtet, Schraube angezogen, hinten auch kontrolliert, und weitergefahren. 450 km weit.
Morgen wird die EBR 1190SX getestet.

Monday, September 30, 2013

Balkan Tour - Schweiz-Rumänien

Zehn Tage. Zwölf Länder. Vier tausend dreihundert fünfzig Kilometer.

Am späten Nachmittag des 19. ging's los, zu dritt im Single Cab, mit Gepäck und zwei grosse Nicht-Tourer hinten auf der Ladefläche.

Der Brüetsch und sein Kollege wären wohl die Nacht durchgefahren aber ich weigerte mich. Wir waren in den Ferien und Stress hatte da nix verloren. Beim Stuttgarter Flughafen fuhr ich ab der Autobahn und besorgte uns ein Hotel. Wir waren am nächsten Morgen wieder unterwegs bevor's überhaupt hell wurde und am frühen Nachmittag am Ziel.

In Novi Sad wurden die Motorräder abgeladen und weggesperrt. Bacchus wurde dann erst Mal dem Lackierer vorgeführt.
Ich brauchte einige Zeit um mich für eine Farbe zu entscheiden. Logisch - Bacchus' Haube war voll mit Farbmustern. Die Idee mit roten Streifen auf schwarzem Grund wurde - erwartungsgemäss - verworfen. Zu normal. Die Farbe für die ich mich endlich entschied ist zwar nicht sofort auffällig, hat aber einen speziellen Effekt und wird auch gut als Basis funktionieren falls ich den Truck zwischendurch mit Folienverzierungen aufpeppen will. Und weil ich auf Streifen und Logos verzichtet kostet die Rundumerneuerung nur €2000, einige hundert weniger als ursprünglich angedacht.
Updates mit den Fortschritten des Lackierers folgen, wenn/falls ich Fotos bekomme.

Nachdem ich mich endlich für einen Lack entschieden hatte gingen wir zum Mech, der einen grossen Service durchführen wird. (Kostet in Serbien nur €250, also warum nicht?) Gruss, einmal rundum, und ich liess mein Auto in irgendeiner serbischen Einfahrt stehen. Wenn ein Kollege und der Brüetsch das ganze nicht schon mal durchgemacht hätten wäre mir ganz schön mulmig gewesen. Oder besser gesagt, ich hätte die Übung wohl gar nicht angebrochen.

Am Samstagmittag, nach einem kurzen Besuch am Platzmarkt, verabschiedeten wir uns vom Kollegen und liessen unsere Maschinen den Ostwind schnuppern. Am Abend zuvor in einer viel zu lauten Bar hatten wir uns entschieden, 800 Kilometer Umweg zu machen um den Drumul Transfagarasan in Rumänien zu fahren.





Auf den Weg dorthin besuchten wir Cugir, den Namensgeberort der rumänischen Kalaschnikow-Variante. Bei unserem Besuch war eine Roma-Festivität in vollem Gange, also mussten wir das Zentrum umfahren. Dafür sahen wir recht viel vom Städtchen und wurden wie überall im Land grinsend gegrüsst. BMWs gabs zu Hauf, und einige japanische Tourer, aber Sportmaschinen wie unsere sahen wir nirgendwo, und sie haben der Bevölkerung in jedem der besuchten Länder ziemlich viel Freude bereitet.






In Cugir suchten wir ein Strassen die auf meiner grossen Karte eingezeichnet war. Sie sollte südlich von der Stadt wegführen und später in eine Hauptstrasse eintreffen. In meiner transylvanischen Detailkarte war diese Route nicht drin - aus gutem Grund, siehe Bild. Solche Wege gibt's viele in Rumänien, und bei besserem Wetter/anderem Moped/mehr Zeit hätte ich gar nix dagegen, sie tagelang zu erforschen. Aber wir hatten ein Ziel und sind darum zurück auf die Hauptstrasse.



Von der Strasse in den Wolken selber habe ich leider keine gute Bilder weil es sehr neblig war. Oben am Pass hielten wir beim Markt an und kauften heisse Maiskolben als Handwärmer und zum Zmittag.

Ein rumänischer Junge starrte gebannt auf die Benelli bis ihn der Brüetsch ansprach, ob er darauf sitzen wolle. Der Junge holte sein Vater als Dolmetscher, da dieser etwas Englisch konnte, und so schwatzen wir noch einige Minuten bevors auf der Südseite den Berg hinab ging. Weiter unten gabs wieder Sonnenschein und trockene Strassen und wir konnten unsere Maschinen richtig ausfahren.

Wir blieben zwei Nächte in Rumänien. Am zweiten Abend waren wir in Bran, in einem Zimmer mit Sicht auf die berühmte Burg. Eigentlich wollten wir das Schloss besichtigen, merkten aber bei der Ankunft dass Rumänien in einer anderen Zeitzone ist und überhaupt war es spät. Am nächsten Morgen machte die Burg erst um Mittag auf; um die Zeit waren wir schon 200 km südlich, auf dem Weg nach Bulgarien.


Wir hielten kurz auf einem Parkplatz neben der Hauptstrasse um etwas zu trinken, Öl beim Beast nachzufüllen - sie hatte bereits tausend Kilometer hinter sich und brauchte dementsprechend wieder 300 mL - und die Beine ein bisschen zu vertreten. Streunende Hunde gibt es zu zehntausende in Rumänien; wo man auch hingeht verdreckte, kranke und verletzte Köter. In den vergammelten Flugzeugen die beim Parkplatz standen - keine Ahnung wieso die dort waren, aber als Ausstellungsstücke wurden sie nicht deponiert - hauste ein Mensch und ein Rudel der allgegenwärtige Streuner. Auf dem Parkplatz gab es ein Welpe, der nicht zum Rudel gehörte. Ich gab dem kleinen Kerl einen kurzen Kraul hinter den Ohren und er machte es sich sofort im Schatten der Buell bequem, während ich Öl nachleerte.

Die Streuner sind mir ziemlich egal und es ist wohl am besten wenn ihre Zahl zurückgeht. Aber ich hoffe doch, dieser Knäuel sieht ein nicht allzu hartes Leben entgegen. Ich wünschte ihm viel Glück, als wir uns wieder auf dem Weg machten.

An dem Tag brachten wir geschlagene 600 Kilometer hinter uns, wovon das meiste geraudeaus ging mit einem starken Wind von Nordwesten. Das Beast hatte gar keine Freude daran - ab andauernde 4000 Touren leuchtet die Motorenlampe. Wird wohl ein Zusammenhang mit dem Ölverlust haben, denn sie fährt sonst ganz normal für ihr Alter und schafft auch 160 km/h ohne mechanische Proteste. (Die knapp 90t km auf der Uhr lassen sich aber echt nicht mehr verleugnen...) So schafften wir es bis Nis, Serbien, nachdem wir ein Zipfel von Bulgarien durchquert hatten.

Ab dort geht's dann weiter im nächsten Berichtsabschnitt; für heute ist's genug.

Tuesday, July 9, 2013

Drei Tage Italien

Die grossen Töffferien sind dieses Jahr bisher etwas auf der Strecke geblieben. Mindestens ein Italien-Wochenende per annum ist aber Pflicht. Ich freute mich extrem auf den vergangenen Freitag. Die Wettervorhersage konnte nicht besser sein. Das Beast hatte genug Öl in der Schwinge, vörig Profil auf den Gummis, und war frisch ab Service. Hopp, über den Julier, dann der Maloja, der endlich Baustellen-frei ist. Schöner Pass, der Maloja. Den bin ich zuletzt vor zwei Jahren gefahren.
Eigentlich hatte ich vor gehabt, im Südtirol und dem Trentin rumzukurven, ohne Reiseziel. Aus Neugierde hab' ich dann am Vorabend die Entfernung nach Pisa und Florenz nachgeschaut. Ich war noch nie in den beiden Städten, und 641 km (ohne Autobahn, aber sonst möglichst direkte Anfahrt) dünkten mich machbar.
Aber das war natürlich etwas sehr optimistisch. Am Freitagabend um 1800 Uhr hatte ich erst 550 km und die Po-Ebene hinter mir. Ich wäre fast auf der Autobahn zwischen Bergamo und Brescia eingeschlafen und war ziemlich mürrisch.
Also wieder Planänderung. Einkehr in einem Viersternehotel, ein feines Nachtessen, und ich fühlte mich schon wieder besser.




Am nächsten Morgen ging's zurück über die Po-Ebene, und per Zufall bzw. falscher Strassenwahl an die Ostseite des Gardasees. Auch recht. Die Westseite kenne ich gut; auf der Ostseite bin ich bisher nie gefahren. Dabei ist sie genau so schön und viel weniger befahren als das Gebiet um den Lago d'Idro.
Kein Wunder auch, bei den winzigen, holprigen Strassen des Valpolicella. Ich hatte einen Riesenspass an dem Gebiet.
Nach 350 km nahm ich mir in Rovereto ein Hotel. Am Gardasee hatte es viel zu viele Leute, und Rovereto war ein guter Ausgangspunkt für die Heimfahrt am Sonntag.




Der Passo di Tonale musste ich auslassen weil die Tagestour sonst zu kurz gewesen wäre, aber der Passo Vivione konnte ich nochmals unter die Räder nehmen. Dann Aprica, Bernina, Albula... Ich kam gut vorwärts; dachte, ich werde um 18 Uhr zu Hause sein, bevor das Sommergewitter über mein Berg losbricht. Ehem. Und dann stand "Landeck" und "Reschenpass" angeschrieben und ich war in Österreich. Ich hatte im Hitze des Strassenkampfs noch den Flüela genommen.
Tja. Schlussendlich waren es 650 km Tagesdistanz, bis das Beast unter den heimische Balkon (des Nachbarhauses) stand, und wir waren sogar beide trocken. Der Wolkenbruch in Österreich passierte genau über den Bregenzer Strassentunnel. Üblicherweise hab' ich nicht so viel Glück mit dem Wetter.

San Francesco, Valpolicella

Italien ist und bleibt mein Lieblingsland zum Töff fahren. 

Saturday, March 16, 2013

Camaro SS

Anfangs Monat war ich eine Woche in L.A. Ich hatte bei Avis ein Auto der Kategorie "Premium" gemietet, aber der Mitarbeiter machte mich auf die Manager Specials aufmerksam. Für ein Paar hundert Dollar mehr konnte ich etwas richtig sportliches mit nach Hause nehmen... Aufgelistet waren Mustang, Challenger, Camaro, Corvette, BMW und Volvo.
Die letzteren zwei waren natürlich keine Option, obwohl die BMW eine M war. Nö, da sollte American Muscle her.
Corvette war keines vorhanden. Der Challenger R/T tönte zwar am aggressivsten, aber ich nahm am Schluss die Camaro. 6.2 Liter Hubraum, 405 Pferde, rot, mit blauer Innenbeleuchtung. Einfach wunderschön. Die einzige Unvollkommenheit war das Getriebe: Automat. Aber immerhin mit Wippschaltung, und die Sache tat meiner Freude kein Abbruch.
Städte sind nicht so mein Ding, vor allem nicht riesige Metropole wie L.A. Ich war seit fünf Jahren nicht mehr in den USA gewesen, und das war das erste Mal, dass ich ganz auf mich gestellt war. Aber die Nervösität verflüchtigte sich bevor ich vom Avis-Parkplatz weg war. Ich hatte eine Reisebegleiterin der feinsten Art.

Keine 24 Stunden nachdem ich die Camaro bekam wurde ich auf der 118 von der Highway Patrol gestoppt. 80 Stundenmeilen in einer 65er Zone - ich hatte die gleiche Geschwindigkeit drauf wie alle anderen.
Einheimischen sagten mir, dass ich bloss wegen dem Auto und der blonden Haare herausgefischt wurde. Gut möglich, denn der nette junge Herr in Uniform liess mich mit einer Verwarnung und eine Erklärung der kalifornischen Geschwindigkeitsbeschränkungen weiterfahren.
Ich schaute nachher öfters aufs Tacho, zumindest auf den Freeways und Interstates. Aber bei den Roadtrips nach Big Bear,
Downtown Big Bear

Yucca Valley,
California backroads

Joshua Tree, Las Vegas und Death Valley, als die Strassen eng und verlassen wurden, da war kein Halten mehr. Die Camaro hat ein wunderbares Kurvenverhalten - sehr stabil im Drift, wie auf Schienen in der Kurve, vörig Power, und ab 3000 Touren ein furioses Grollen im Motor. V8 ist nicht gleich V8, und ich hatte noch nie so Freude an vier Rädern.






Über die Sierra Nevadas kamen wir in Schnee

Rainy season in Death Valley










 
und in Death Valley navigierten wir durch überflutete Strassen. Mit richtigem Handling meisterte die Camaro aber auch diese Strapazen ohne weiteres. Sie war am Abend halt einfach braun statt rot.




 



Nachdem wir aus Death Valley rauskamen wurden die Strassen langsam trocken und die Landschaft noch karger.

Ich glaube, es vergehen diesmal keine fünf Jahre bis ich mein zweites Heimatland wieder besuche.
(Gugge da. Die Camaro hat sogar etwas Patriotismus in mir geweckt.)




Denn so ist's mir am wöhlsten. Ein Muscle Car, ich solo und eine Strasse nach irgendwo.

Saturday, June 18, 2011

Gardone Riviera

Nach zwei verrückten (im allerpositivsten Sinn) Arbeitstagen am Montag und Dienstag hatte ich am Dienstagabend plötzlich das Verlangen, in den Süden zu fahren. Die Wettervorhersage konnte kaum besser sein, und seit das abrupte Ende meiner Sardinienferien hatte ich Nachholbedarf.
Den schönen Mittwoch verbrachte ich noch bei der Arbeit, aber am Donnerstagmorgen früh um 6 Uhr 30 war ich im Sattel Richtung Bündnerlang unterwegs.
Als Ziel hatte ich den Gardasee gewählt. Ich wollte Sonnenschein, sommerliche Temperturen und Palmen. Wie gesagt, Sardinien fehlte mir.
Ich folgte die Landstrassen bis Chur, heizte über Lenzerheide, den Albulapass und sah noch den Schneefall über den Julier als ich links zum Bernina abbog. Den Julier mag ich gar nicht. Immer kalt, immer nass, irgendwas fällt dort dauernd vom Himmel...
Als ich die Abzweigung nach Livigno sah baute ich einen Schwenker über Bormio ein. Das hätte ich lieber sein lassen sollen, denn beim Zoll vom Foscagno regnete es. Von Bormio bis Edolo kam das Zeug runter, und ich verfluchte die Vorhersage, die wieder mal gar nichts hielt, was sie versprach.
Nach den Tunnels der Hauptstrasse 42 wurde es langsam wieder trocken und wärmer. Eine Ehrenrunde über Garda brachte einige Kurven in die Talgerade. In Breno hielt ich an, um meine Karte zu studieren, und ein netter älterer Herr hielt an und fragte mich, ob ich zum Croce Domini wollte. Der kannte wohl seine Töfftouristen, denn genau dort wollte ich hin. Dank seiner Beschreibung fand ich problemlos zum Pass. Dort war endlich wieder Schräglage angesagt, und ich erkannte, dass ich mit meinem BMWler schon zweimal dort durchgefahren bin. Da der Himmel dunkel war und ab und zu nervige Spritzer runterliess entschied ich mich gegen die Schotterpiste und kam in Bagolino runter. Am Lago d'Idro vorbei, nach Salo - endlich sah ich richtig blauen Himmel und mein feuchter Lederkombi trocknete schnell. Hier war anständiges Sommerwetter.
Ich hatte mich schon vor Abfahrt entschieden, in Gardone Riviera zu übernachten. Der Name gefiel mir einfach. Im Dreistern-Monte Baldo fand ich Unterschlupf. Nach ca. 450 km mit lediglich einer Schoggipause und eine halbe Stunde Mittagessen war meine brave XB sicher auch froh, dass sie mal in Ruhe ihr Lüfter laufen lassen konnte. Ich war jedenfalls müde, und fast so dreckig wie meine Maschine.
Nach Bezug meines Zimmers (mit Seesicht!) und einer Dusche fühlte ich mich schon besser.

Es war etwa 17 Uhr, also zu früh zum z'Nachtessen. Ich nahm mein Buch und spazierte der Seestrasse entlang, bis ich zu einer Lounge kam, wo ich mir zwei Ultraviolet Cocktails gönnte, dem Verkehr zuschaute und las. Richtig entspannend, das ganze.
Das Essen später im Hotel war teuer, aber entsprechend gehoben und gut. Entenbrust mit Zucchini war der Hauptgang. Gegessen wurde auf der Terrasse.

Am nächsten Morgen, ausgeruht und wieder mit Kribbeln in der Gashand, kam ich erst nach 8 Uhr los, da die Reception dementsprechend spät besetzt war. Machte aber nichts; bis ich losfuhr war die Strasse wieder trocken (in der Nacht hatte es geregnet). Der Verkehr war langsam, liess sich aber meistens gut überholen. Ich fuhr die Seestrasse bis Riva del Garda. Sie ist zwar nicht ganz so kurvig wie die Strassen am Hang, aber auch nicht schnurgerade und überhaupt, es war so schön am See...
In Riva ging's link weg Richtung Terme di Comano, und von dort an wurden die Flanken der Z8 deftig beansprucht. Ich sag's nochmal: Der Pneu ist einfach geil. Wenn er 6000 km überlebt hab' ich einen neuen Lieblingsfinken.
Das Wetter war alles, was für den Donnerstag versprochen worden war. Warm, blauer Himmel, kein Tropfen Regen. Zum fahren einfach genial.
Nach Madonna die Campiglio nahm ich den Passo di Tonale, der zu meinen Lieblingsstrecken überhaupt gehört. Dann die Gavia rauf - die war oben dermassen vernebelt, dass ich nicht schneller als 30 km/h fuhr. Schnee gab's auch noch.

In Bormio wurde getankt, und dann hiess es arrivederci, bella Italia. Spitzkehrenübungen im unteren Teil des Stilfserjoch, etwas fahren im Dreck auf der Umbrail, dann Z'mittag nach Sta. Maria. Der Ofenpass (wieder ein Favorit, schon von der Landschaft her) war viel zu schnell abgefahren; dafür durfte ich auf der Flüela etwa eine Stunde sitzen, bis die Tour De Suisse passieren konnte.


Die Velofahrer interessierten mich gar nicht, dafür die verschiedenen Polizeitöffs, die im Einsatz waren. Bündner natürlich, Zürcher, Aargauer, Schaffhauser - aber keine Thurgauer. Die Aargauer haben die Kontrollschilder AG 1 bis (mindestens) 10 für ihre Blaulicht-BMWs reserviert. Die Nummern wären besser aufgehoben auf Custom-Bikes und Streetfighters, sag' ich.
Via Liechtenstein kam ich nach St. Gallen. Am Abend war noch ein OWG-Treffen; ich kam etwa um 17 Uhr 30 an, ohne dass ich vorher noch bei mir zuhause vorbeischaute. Bei der Heimfahrt von Widnau wurde ich dann verregnet, also nicht mal der Tag ging ganz trocken zu Ende, aber egal. Das waren 900+ wunderbare Kilometer. Ich muss das wiederholen.

Sunday, June 5, 2011

Sardinia 2011 - The Ugly

Das wäre die Route gewesen, die wir am 8. Mai - also vor genau vier Wochen - hätten fahren sollen.

Die letzte Kurve
vor dem Bahnübergang.

Und der Übergang selber. Info von Damian: Bis zur weissen Stoplinie war der Töff in der Luft!


Hier noch von der Seite - da sieht man den Absatz in der Konstruktion. Ehrlich, wer lässt eine Strasse so sein?


Jetzt wo ich die Schanze selber seh versteh ich den Unfallhergang besser. Wobei... Der Bahnübergang zwischen Zürchersmühle und Waldstatt hat auch einen Absatz drin und liegt erst noch in einer Kurve, und den nimm ich auch locker mit einem 60er.

Jeder fragt mich, ob ich von dem Unfall was gelernt hab. Hab' ich, jawohl. Zwei Sachen. Erstens, dass ich nach jedem Crash, und sei er noch so spektakulär, aufstehen kann. Ich fühl mich unverletzbar, und das ist nicht gut.
Und zweitens, dass Schreckbremsungen nichts bringen. Nächstes Mal bleib ich am Gas.
Siehe Punkt 1.