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Monday, May 25, 2015

Töffferien, die keine waren

 Es fing alles gut an - so die ersten 1-2 Stunden. Am Auffahrtsdonnerstag fuhren wir ab, der Brüetsch und ich, auf Buell und Benelli.
Der Benelli ging dann in Uri die Most aus. Tankanzeige defekt.
Na ja, halb so schlimm. Ich ging auf der Buell 750 mL holen (für irgendwas hat man eine Trinkflasche dabei, auch wenn sie nie mehr als Trinkflasche benutzt werden kann wenn mal Benzin drin war. Den Geruch kriegt man ums verrecken nicht weg). Oberalp und Lukmanier waren schön, wenn auch etwas verkehrreich. Man merkt dann beim Überholen-wollen auch den Unterschied zwischen 140 Italo-PS und die 100 der V2... Wenigstens wars trocken, und in Italien wurde es richtig warm und sonnig.
Am Nachmittag hatten wir die Berge vorerst hinter uns. Am ersten Tag wollten wir das Plateau möglichst überquert haben, um am Freitag Ligurien in Angriff nehmen zu können. So kam es dann auch, obwohl die Benelli die Diva ein zweites Mal raushängen liess und die Hauptsicherung verbratete. Der Brüetsch war so weitsichtig und hatte einen Ersatz mitgenommen, also war auch dieses Problem innerhalb einer Stunde behoben. Den Sicherungsdeckel liess er gleich weg, und ein Scheinwerfer hängte er ab, um die Sicherung zu schonen. Die zwei Ersatzsicherungen, die er  gleichentags in einem Baumarkt besorgte, wurden nicht mehr verwendet. Wenn er LEDs in die Scheinwerfer einbaut sollte die 30A-Sicherung auch heisses Wetter standhalten können.
Am ersten Abend übernachteten wir im Hotel Rallye in Voghera. Der Regen, der einsetzte, endete etwa gleichzeitig mit unserer Abreise am nächsten Morgen, und so konnten wir uns frohen Mutes in die Berge schwingen. Etappenziel war Florenz.
Der Brüetsch fand eine winzige, holprige Bergstrasse die uns einige schönen Aussichten beschehrte. Beim Rauffahren kam bei der Buell plötzlich die Motorlampe. Sie lief ganz normal also dachte ich nichts schlimmes dabei. Das US-Map, welches ich letztes Jahr draufmachen liess, macht immer wieder Probleme, und das Beast mag ja keine Feuchtigkeit... Ich dachte, es sei harmlos, wie üblich.
Wir machten Fotohalt, tankten in einem Bergkaff 100 Oktan, kamen wieder auf eine grössere Strasse... Es begann wieder grosse Tropfen zu regnen also hielten wir wieder an, damit ich mir meine Regenhosen über die Rokker-Jeans ziehen konnte. (Ja, ich toure in Jeans und Textiljacke. Spart einiges an andere Klamotten und ist super zum rumklettern oder mal durch ein Dorf schlendern, wenn wir irgendwo was entdecken welches ein Absteigen und Rumlaufen erfordert.)
Schwang mich wieder in den Sattel, drückte den Starter...
Kla-klack.
Und mehr war da nicht rauszuholen.
Die Batterie wars nicht; die wurde letztes Jahr gewechselt, und die Lämpchen leuchteten normal. Die Zündkerzen waren auch ganz frisch. Der Brüetsch zog sich Helm und Handschuhe aus und machte sich mal schlau - so gut es ging, ohne Multimeter.
Er hatte schlauerweise Kupferkabel - irgendwelche Audiokabel, die sich gut abisolieren liessen - eingerollte und mitgebracht. Mittels diesen stellten wir fest, dass meine Batterie Strom zog. (Die Benelli ist mittlerweile mit einem kraftvollen Lithium-Block ausgestattet. Ohne selbigen wäre die Reise wohl ganz anders verloffen.) Der Brüetsch sagte, das Problem sei entweder Stator oder Regler.
Die Benelli lud die Buell soweit, dass sie wieder starten konnte. Und wir fuhren weiter, einige Kilometer. Aber das Problem war nicht mehr wegzukriegen. Die Buell begann bald zu husten und zu spucken. Die Lämpchen wurden immer dunkler. Sie hatte kaum Leistung, aber manchmal kam sie doch wieder, wenn ich den Hahnen voll offen hatte... Es war stellenweise richtig gefährlich.
Irgendwann stellte de Motor einfach ab. Zum Glück rollten wir gerade bergab und ich konnte in eine Bucht rein. Dort verbrachten wir die nächsten 20 Minuten. Die Benelli lud die Buell und der Brüetsch checkte meine Sicherungen und sämtlich Stecker und Elektroleitungen durch.
Am Schluss waren wir uns einigermassen sicher, dass der Alternator schuld war. (Ich sehe gerne auf Vorrat schwarz, damit ich nicht frustriert bin wenn ich recht behalte und mich freuen kann, wenns doch nicht so schlimm ist.)
Das war keine Reparatur für den Strassenrand. Ich fand den nächsten Harley-Mech in Genua, etwa eine Stunde entfernt. Wir dachten, mit wiederholtem Laden würden wir es vielleicht schaffen. Es war Mittagszeit, und gemäss Internet hatte er werktags bis 19 Uhr offen, also sollte es zeitlich reichen.
Wir sammelten alles wieder ein und fuhren noch mal ab. 15 Minutes laden reichten schlussendlich für 15 Minuten Fahrt. Regenwolken sammelten sich langsam. Als der V2 dieses Mal starb steuerte ich das Beast zu einem Parkplatz am Strassenrand. Kilometer 69 der SS45, Ausfahrt Zerba. Und dort verbrachte ich die nächsten viereinhalb Stunden. Ich hatte natürlich ein Buch dabei, also war die Zeit nicht ganz verloren.
Ich telefonierte meine Versicherung, welche mir einen Abschleppdienst organisierten. Gar nicht so einfach, am Auffahrtswochenende. Es vergingen drei Stunden, bis der Lastwagen auftauchte.

Ich musste der Versicherung und den Abschleppern klarmachen, dass sie das Moped nicht dem nächstbesten Mech hinstellten, sondern dem Harley Mech in Genua. Auf Schweizerdeutsch geht es, aber ich lerne erst seit anfangs Jahr italienisch; mit den Abschleppern reden war schon schwieriger.
In der Zwischenzeit war der Brüetsch nach Genua gefahren und hatte uns einen rollenden Ersatz besorgt. Eine kleine graue Fiat 500, die ich sofort Maus taufte. Und mit dem Kärreli machten wir in den nächsten 6 Tagen über 2000 Kilometer.
Die Idee für diese Reise stammte aus dem Wunsch von mir, die verlassene Stadt Craco zu besuchen, ganz im Süden, in Kalabrien. Ich hab eine Faible für verlassene Orte, und nicht erst seit der Reise nach Pripyat und Tschernobyl letztes Jahr.







Auf dem Weg in den Süden sahen wir noch Florenz
Florenzer Wohnungen, am Aussenwand eine Brücke.



Rom
Ruine des Koliseum
den Vatikan
Der Platz vor dem Petersdom
 Anzio
Basilica di Santa Teresa
Napoli
Castello dell'Ovo
Pompeii
Badehause, eingangs der Ruinen
und kamen endlich nach Craco.
Die verlassene kalabrische Stadt
Die Buell war erst am Mittwoch wieder abholbereit, da der genuesische Mech über das ganze Auffahrtswochenende geschlossen hatte. Wir besuchten in der Zeit auch noch die verlassene, oder ehemals verlassene, Ortschaften


Sowie einige Burgruinen. Somit wurde eine regelrechte "Ruinen-Tour" draus. Das Reisen mit Auto hat halt den Vorteil, dass das fahren selber unwichtig ist, und man hat Zeit für anderes. Wir konnten die Ferien also doch geniessen, wenn auch nicht planmässig.

Wie gesagt, die Buell war am Mittwoch abholbereit. Dies, obwohl das Harley Verteilzentrum in Belgien einen falschen Regler geschickt hatte. Der Mech holte sich Erlaubnis von einem Kunden, den Regler eines verkauften XB12S zu nehmen und bei mir zu installieren, damit ich weiterfahren konnte. Das nenne ich Service.
Leider kehrte das Wetter gleich am nächsten Tag. Solange wir die Maus spazierenfuhren hatten wir blauen Himmel und Sonnenschein. Kaum waren wir wieder auf zwei Räder unterwegs goss es wie aus Kübeln. Seufz. Also machten wir uns auf dem Heimweg, ziemlich direkt, durch den Westen anstatt wie Südtirol, da sich dort die Wolken besonders dick stauten.
Der San Bernardino Pass war zu; aus der Gallerie des Tunnels sahen wir schneebedeckte Tannen. Und kalt war es. Da gab es keinen Grund, nicht drei Tage früher zu Hause einzutreffen.
Pessimistisch gesehen kann man sagen, ich fuhr nach Italien um den Regler ersetzen zu lassen. 1300 km nach neun Tage Ferien ist ein Witz - das schaff ich im Sommer normalerweise mit Pendeln und Wochenendausfahrten.
Aber optimistisch gesehen war's gar nicht schlecht. Die Versicherung zahlt den Mech, und mittels Maus konnten wir einiges anschauen, das wir sonst links liegen gelassen hätten. Und hey - ohne Töffklamotten habe ich tatsächlich etwas Bräune bekommen.

Monday, August 12, 2013

Reifentest - Full Bore M-1

In letzter Zeit schreibe ich viel von der Piste. Die Buell wird schon nicht vernachlässigt, im Fall...


Das Beast hat wieder einen neuen Vorderpneu. Der letzte RoadAttack überlebte etwa 3500 km, also annehmbar üblich.
Da ich im Sommer jeden Monat einen neuen Vorderfinken brauche hab ich einige verschiedene Modelle fürs Lager bestellt, einfach um sie auszuprobieren. Vielleicht finde ich einen Pneu, der mir so gut passt wie die Z8 oder den RoadAttack.
Ich hab bei den günstigen Reifen angefangen und arbeite durch bis zum Pilot Road 3. Das ist der teuerste Pneu, den ich jeweils bestelle. Die Dunlops und Bridgestones für 180.- für vorne interessieren mich nicht - ich geb doch nicht so viel Geld aus für etwas wo nach zwei Wochen durch ist. Und das sind die Supersport-Reifen immer.
Also, das Beast fährt vorne Full Bore USA M-1. Die Beschreibung auf Reifendirekt ist voller Eigenlob - wie bei allen anderen Marken auch.
"Das FullboreUSA M-1 Street Profil ist für moderne Hochleistungsmotorräder gemacht. Perfekte Kombination aus Grip und Langlebigkeit zeichnen diesen Reifen aus. Dieser Multi-Sport-Motorradreifen bietet eine großartige Kombination aus Handling, Traktion, hoher Eigendämpfung, sehr guter Kontrollierbarkeit und einer hohen Langlebigkeit. Egal ob Kurven kratzen in der Freizeit oder der tägliche Weg zur Arbeit, der M-1 vereint beides zu einem erschwingliche Preis."
Blah blah. Aber schlecht ist der Gummi schon nicht. Gestern aufgezogen; nach dem Arbeitsweg heute ist der Angststreifen auf 1 cm runter und wird schrumpfen. Ich bin nicht sicher, ob ich beim Heizen (wie etwa im Schwarzwald) Vertrauen zu dem Reifen hätte; der Grip an den Flanken überzeugt mich (noch) nicht. Das ist vielleicht Kopfsache, oder evtl. sind die Ränder einfach nicht angeraut. Zum normal zügig pendeln taugt er jedenfalls genauso viel wie ein Conti. Wie er sich im Nassen verhält werde ich wahrscheinlich morgen erfahren. Eins bin ich mir jedoch sicher: Langlebig wird das Teil nicht sein. Dafür ist das Profil zu nieder. Ich gebs höchstens 2500 km.

Sunday, January 27, 2013

Inspirationssuche

Der Brüetsch und ich schauten am letzten Tag bei der Motorradwelt Bodensee vorbei. Ich bin so langsam auf der Suche nach einer Ergänzung zu meinen beiden Buells und der Pistensau. Ich gehe davon aus, dass das Beast dieses Jahr die 100'000-Marke knacken wird, und obwohl sie mindestens doppelt so lang leben soll möchte ich sie ein wenig entlasten im täglichen Verkehr indem ich mir einen zweiten Alltagstöff anschaffe. (Der Basilisk ist ja für Schönwettertouren reserviert.) Es wird wieder eine V2 und Italiener, soviel weiss ich. Der Diavel, die Streetfighter, und die grosse Brutale von MV sind meine drei Favoriten, aber auch der Multistrada oder eine Aprilia Dorsoduro wären eine Überlegung wert. Da ich mir diese Viertmaschine frühstens in 2014 kaufen werde heisst's im Moment wirklich nur rumschneuggen und schauen, was es für Umbaumöglichkeiten gibt fürs jeweilige Modell. (Ist ja klar, dass sie nicht im Originalzustand belassen wird.)
Für den Diavel hab' ich bei der Messe heute ganz hübsche Teile entdeckt.
Gefällt mir, das Heck.

Oder von der gleichen Firma, diese Streetfighter-Veredelung:


Es waren auch andere Geschmäcke vertreten, solche, die auf Weichheit und Fuzzies stehen:

oder Rost, Spitzen und Chrom:
Schau mal die Gabelcovers an! Die hätte ich auch gern - aber in schwarz.
 Military style sieht man auch immer wieder:
Überraschenderweise sah ich nicht einen einzigen komplett schwarzen Fighter. (Eine kaum umgebaute '13er Z1000 gab's in Ganzschwarz, inkl. schwarzes Lampenglas. Sah noch frech aus.)

Alles in allem ein gelungener Ausflug. Einige Buell-Kollegen getroffen, wieder mal mit Angelo von Nastybike geschwatzt und die neuste Vyrus bewundert, und tatsächlich nix ausser das eben erschienene Motomania-Buch gekauft. (Der Süffel kriegt früher als geplant neue Winterpneus, das heisst einige Wochen aufs Geld schauen...)
Und die Inspirationen für den Frühling und allfällige neue Umbauten in nächsten Jahr, die sind eingeholt.

Saturday, September 29, 2012

Glück gehabt

Heimfahrt. Ich hatte die Gedanken irgendwo, nur nicht beim Tacho. Die Strecke durch St. Gallenkappel ist weder neu noch interessant. Ausser es befindet sich ein mobiler Blitzkasten auf der rechten Seite, versteckt hinter Steinmauer und Gebüsch.
Ich war fast auf der Höhe des Kastens als ich es bemerkte. Ein panischer Griff in die Bremse liess einen schwarzen Strich auf den Asphalt und das Hinterrad vom Beast wollte mich links überholen. Aus dem Augenwinkel sah ich es blitzen - meinte ich zumindest. Aber ich war nicht zu 100% sicher.
Zudem hatte ich keine Ahnung, wie schnell ich gefahren war. Ich meinte, der Zeiger war irgendwo um die 70er-Marke. Viel zu viel.
Das war vor drei Wochen. Ich richtete mich schon psychologisch drauf ein, das Billet abgeben zu müssen. Nicht einfach, wenn man abhängig ist vom Motor und Gasgriff...
Dann heute, Erlösung per Post. Ich war noch nie so froh, eine Busse zu erhalten.