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Sunday, July 19, 2015

Mal schnell nach Nürnberg

Am Donnerstagabend nach der Arbeit, bei gefühlten 35° - geniales Wetter, das - machten uns der Brüetsch und ich auf den Weg nach Österreich. Wir wollten nach Nürnberg, und wenn man nach Norden soll fährt man selbstverständlich zuerst gegen Südosten, weil im Südosten fängt das Lechtal an.
Er mit der Benelli, ich mit der KTM. Und ich stellte zwei Minuten vor Abfahrt fest, dass die Dunlops durch waren. Ups. Na ja. In die Talgarage Buell holen ist langweilig, also Abfahrt nach Plan. Geht schon schief. (Die Buell fährt seit einer Woche auf neuen Full Bores rum. Aber der alte Traktor hat Mühe auf langen flachen Strecken, mit der Benelli mitzuhalten. Deshalb blieb sie zu Hause.)
Wir übernachteten im Schönauer Hof, ein richtig lässiges Motorradhotel in Schönau bei Holzgau. Günstig, schön, gut gelegen, mit zwei alten Mannlicher Gewehre (unter vielem anderem) im Gebälk - hat mir gut gefallen, die Gaststätte. Ich geh dort wieder hin, auch wenn sie keine 100 km von Zuhause ist.
Am nächsten Morgen reisten wir um 9 Uhr weiter und wollten so um die Mittagszeit bei Crazy Skull sein. Mehr dazu weiter unten...

Die KTM war ihre Reifen so richtig am vermantschen, deshalb machten wir einen Zwischenstopp beim Euromaster in Landsberg am Lech. Der organisierte mir einen Satz Michelin M7 RR und meinte, in zwei Stunden wäre das Moped abholbereit. Genug Zeit um die Altstadt von Landsberg kurz anzuschauen und Mittag zu essen. Aber zuerst wollte die Benelli auch etwas Aufmerksamkeit - geht ja nicht dass der Kürbis neue Gummis kriegt und die Diva einfach so still ihre Arbeit verrichtet. Nein, nein. Diva will auch was an sich getan haben.
Der Brüetsch meinte, er habe zwischendurch Rauch gerochen, und beim Starten habe es mehrmals Funken gegeben. Dem musste man natürlich nachgehen.
Wir waren so ziemlich ohne Werkzeug abgereist - abgesehen von Taschenmessern und Leathermans hatte ich bloss das Bordwerkzeug von der KTM dabei. Die ist jedoch bewundernswert ergiebig: Kombizange, diverse Gabelschlüssel und Torx-Aufsätze, Inbus, ein paar andere Kleinigkeiten. Schlussament alles was wir für die Diva benötigten, ausser eine 7er Nuss und die bekamen wir von Euromaster geliehen.
Es stellte sich heraus, dass ein Stecker verrutscht war und Rahmenkontakt herstellte. Seit die Benelli eine starke Lithium-Batterie spazierenfährt hat sie natürlich genug Saft, um damit um sich zu schmeissen, Funken zu schlagen, und sich ungebührlich zu benehmen... Jawoll. Also den Stecker wieder an sein Platz und die Rahmenstelle vorsorglich mit mehreren Lagen Isolierungsband abgedeckt.
Ich mach mir etwas Sorgen, dass die brave KTM auf komische Ideen kommt, wenn sie sieht was sich die italienische Diva und der störrische alte Ami-Bock sich alles an Faxen leisten...
Nach dem Mittagessen am Lech hatten wir noch Zeit um ein Stück dem Fluss entlang zu laufen. (Wir trugen ja noch unsere Töffklamotten, bei was weiss ich wieviel Grad...) Wir kamen zu einem kleinen Park mit einem Bau drin, welcher mit "Mutterturm" beschriftet war. Gemäss der eingemeisselten Gravur wurde es von einem Hubert von Herkomer gebaut, seines Zeichens "Wegbereiter des Automobilsports."
Ich wunderte mich, wieso das Gebäude Mutterturm genannt wurde, fand aber kein Schild mit der Geschichte dazu. Der Brüetsch hatte allerdings eine Erklärung.
"Er musste wohl seine Mom drin einsperren, damit er Automobilsport überhaupt betreiben konnte ohne dass sie dazwischenfunkte..." 
Landsberg am Lech
Wir verweilten am Fluss bis etwa 13 Uhr 30. Beim Rückkehr zum Euromaster stand die KTM da auf glänzend schwarze Gummis. (Dafür quietschen seitdem beide Bremsen, aber die Kiste geht bald in Service. Das soll der Mech mit dem Bremsflüssigkeitenwechsel gleich beheben.)
Zum Einfahren fand ich die Michelins etwas schwierig zu lesen. Bei den Full Bores auf der Buell hatte ich nach 15 km über einen kleinen Pass die Ränder anständig runter. Bei der M7 dauerte dies bis am nächsten Tag. Wobei ich sagen muss, dass wir bis ins Hallertau nur wenige Kurven fuhren.
So um 16 Uhr standen wir auf dem Parkplatz des Haarbach 7. Diverse Buells draussen, sowohl dem Keppi sein Tiki-Bike als auch Evas Harley waren da... Und der Bärtchenträger tauchte auch bald auf. "Frisch aus dem Urlaub," wie er sagte.
 Ich hatte ja seit Januar nichts mehr direkt von ihm gehört. Das Telefon nimmt er bei kaum jemandem ab, und Mails werden nur beantwortet, wenn er das Gefühl hat, es gibt etwas relevantes zu sagen.
Um einen sehr wortreichen Nachmittag ganz kurz zusammenzufassen: Den Basilisken gibt es noch, mit sämtlichen Teilen, immer noch in dem Zustand vom Januar. Drei Punkte gibt es zu lösen: Maskenhalterung, Kennzeichenhalterung, und die grösste Herausforderung, eine saubere, schlichte Kontrolllämpchenanordnung.
Der Keppi ist ein herzenslieber Mensch, und ein absoluter Perfektionist. Ich sehe einiges am Basiliskenprojekt überhaupt nicht so eng wie er - wenn ein Tankanzeige bei Motogadget nicht draufpasst dann lass es weg! Ich find ja schnell raus was für eine Reichweite der 1250er Mocken im 9er Rahmen hinkriegt. Aber nein, Keppi will Tankanzeige, deshalb gibt es Tankanzeige, und deshalb muss er eine Weile länger mit dem Kabelgewirr rumexperimentieren bis er etwas gefunden hat wo ihm passt.
Da ich nicht auf das Bike angewiesen bin bleibt es bei ihm. Ich nehme mir einfach vor, nächstes Jahr öfters raufzufahren und ihm über die Schulter zu schauen. Sonst wird das Ding wirklich nie fertig.

Eva kam irgendwann von der Arbeit heim, und es wurde so spät dass sie uns beiden eine Nachtlager anbot. Wir reisten am nächsten Morgen um 9 Uhr ab nach Nürnberg.

Bei Maniac Motors, DIE Benelli-Experten im deutschsprachigen Raum (so zumindest habe ich es verstanden) wurde die Diva mal schnell in Augenschein genommen. Es kam so einiges an unzufriedenstellender Arbeit zum Vorschein - fehlende Einstellschraube für einen Lüfterumbau, falsches Mapping, TPS Reset dringend notwendig, und was weiss ich noch alles... Ich bekam den Eindruck, die Benellis sind genauso - zu unrecht - verpönt wie Buells, und aus den gleichen Gründen: Weil Leute dran rummachen ohne genau zu wissen was die Dinger nötig haben.
Im August wird sie der Brüetsch dort oben abladen und komplett sanieren lassen. Die Rechnung will ich nachher sehen...

Am gleichen Tag schafften wir es nach Hause.
Fähre nach Meersburg
1500 km, oder so ungefähr, in zwei Tagen und einem Abend. Den Basilisken gesehen, die Diva begutachten bekommen, einen Routenteil für einen baldigen Ausflug mit Kollegen abgefahren... Mit dem Wochenendausflug konnte ich ziemlich viel erledigen. Und nun, wie gesagt - die KTM hat ihren ersten grossen Service nötig.

Friday, October 4, 2013

Balkan Tour - Bosnien-Schweiz

Schönes Montenegro über die Bucht von Kotor.

Der Süden von Bosnien gefiel mir landschaftlich sehr - weisse Berge, karge Steingebiete und kleinwüchsiges, knorziges Grünzeug. Es ist sehr wild und einsam, ohne viele Bauten oder Strassen. Je weiter wir nach Norden fuhren desto mehr kamen wir in Dörfer und Städte hinein. Um 1700 hielt der Brüetsch beim Motel Carousel an und meinte, er habe genug für heute.
Er hatte einen guten Riecher, denn der Betreiber des Motels hatte mal im Aargau gearbeitet und so konnte wir normal Schweizerdeutsch mit ihm reden. Das Zimmer war sehr gross, sehr günstig, und sehr schön. Essen konnten wir gleich im Restaurant unten, wo unter anderem einheimische Spezialitäten mit viel Fleisch serviert wurden. Zum Abschluss gabs einen hausgebrannten Slivovic.
Während unserer Nacht in Bosnien regnete es heftig. Unser Glück hielt aber noch und am morgen war der Himmel trocken, wenn auch verhangen. Wir wollten am Abend möglichst viel von Slowenien hinter uns haben.
Diese Kirche stand neben einer Strasse welche die geilsten Kurven der ganzen Reise aufwies, voll auf die Buell ausgelegt, wie ein etwas breiteres Albtal. Die Kirche ist riesengross und wenn sie fertig wäre, mit Buntglas und Orgel und Innenausbau, wäre sie noch eindrücklicher. Schwierig zu sagen, ob die Bauarbeiten bloss in einer Pause stecken oder ganz abgebrochen wurden. Wir sahen allgemein viele Gebäuden im Balkan, die halb- oder dreiviertelfertig stehen gelassen und so benutzt wurden.

Nach einer Fotopause preschten wir weiter, immer nach Nordwesten. Ab und zu kamen wir in Regentropfen, und die Wolken am Himmel wurden immer dichter.
 
In Kroatien waren wir nicht lange - es ist auch landschaftlich nicht viel anders als Slowenien, nur teurer und mit mehr deutschen Wörtern.
In Slowenien wollte der Brüetsch Ljubljana umfahren aber wir endeten zuletzt doch in der Stadt. Die Hotels dort waren ihm dann alle zu teuer also wählten wir ein Kaff ausserhalb der Stadt, Vrhnika, und fanden eine nette Bleibe, sobald wir ab der Autobahn kamen. Das Hotel hatte auch ein gutes Restaurant drin, also mussten wir an dem Tag kein Fuss mehr vor der Türe setzen. Die Mopeds waren hinter dem Haus in einem Gässchen hinter einem Gittetor eingeschlossen.
Schwertfisch-Carpaccio
Starker Regen begrüsste uns am nächsten Morgen. Wir verwarfen unsere Pläne für eine schön geschwungene Abreise aus Slowenien, da das Wetter um Mitte Morgen nicht besser wurde. Vignetten gekauft und ab auf die Autobahn, nach Italien und durchgehend bis Tolmezzo. Dort, gerade rechtzeitig um die geilen Kurven des Belluno-Gebiets richtig ausfahren zu können, wurde es trocken. Ich war patschnass. Meine wasserdichte Icon-Stiefel sind nix dergleichen, und meine Regenhosen lassen auch irgendwann durch.
Aber egal, solange man durch derartige Serpentinen fegen kann...

Am Jauchenpass kamen wir dann in dicken Nebel der auf der Passeier Seite zu Regen wurde. Also doch nix mit ganz austrocknen. Oh well.
In St. Leonhard nahmen wir ein Hotel zum letzten Mal und breiteten unsere Klamotten aus in der Hoffnung, dass sie am nächsten Morgen einigermassen trocken sein würden.
Es sollte nicht sein - meine Rokkers und meine Stiefel waren am Montag immer noch nass. Da wir nur noch etwa 250 km zu fahren hatten war's jedoch erträglich.
Es regnete den ganzen Tag. Wir fuhren nach Meran, durch Meran trotz dem dichten Arbeitsverkehr, nach Müstair. Home sweet Switzerland. Über den kalten Ofenpass, in Zernez heisse Schokolade getrunken, über die Albula runter nach Davos. Hauptstrasse nach Landquart und ab nach Hause.
Mei, war ich froh, meine eigene Haustüre aufschliessen zu können und aus dem Nebel und Regen herauszukommen. Und sehr glücklich, dass ich die Heizung vor meiner Abfahrt doch angelassen hatte.
Es war eine lange, spannende, deftige Reise gewesen. Das Beast war bis heute Abend mehr grau als blau und mir schmerzt die linke Schulter immer noch ab und zu. Was für ein Erlebnis.


Balkan Tour - Mazedonien-Montenegro


Von Greichenland sind wir zurück nach Mazedonien. Dieses Mal blieben wir auf den Nebenstrassen.

Das Land gefällt mir sehr gut. Sehr grün, sehr hügelig, viele Kurven in den schönen Strassen. Die Leute sind nett und die Umgebung relativ sauber.
In Ohrid, unsere Destination am Mittwoch, standen wir an einer Ampel und überlegten, ob wir nach links oder rechts fahren sollten um ein Hotel zu finden.
Da radelte einer zum Brüetsch, gab ihm ein Flyer und bot in gebrochenem Englisch an, uns seine Fremdenzimmer zu zeigen, "with motorcycle parking!"

Tatsächlich konnten die Mopeds sicher eingeschlossen werden, und für €25 bekamen wir eine kleine, neu renovierte Wohnung, und den Tipp, dass gerade um die Ecke ein tolles Restaurant stand. Dort haben wir Znacht und Zmorge gegessen. Nach einem heissen Tag im Sattel liess wir Getränke, grosse Salate, 1 Kilo gemischtes Fleisch, und zum Dessert in Schokososse getränkte Pfannkuchen auftischen. Die Bedienung konnte nur wenig Englisch und wir kein Mazedonisch, aber wir verstanden uns gut und waren ganz zufrieden mit dem Essen und Service und überhaupt mit allem. Es kostete umgerechnet €18 - schöner Gegensatz zum teuren Griechenland.

Am nächsten Morgen liessen wir uns etwas mehr Zeit als üblich, und nach einem günstigen und guten Morgenessen besuchten wir kurz den Ohridsee, den Park am Hafen, und die fotogene kleine Gässchen der Stadt. Die meisten Läden waren noch nicht offen - wohl zum Glück, da ich sonst garantiert die einte Halskette oder anderes Buch aus handgeschöpftem Papier gekauft hätte. Dafür bekamen wir in einer Apotheke eine kühlende Salbe. Die Schultern und der Nacken taten langsam weh, beim Brüetsch mehr als bei mir. Nach etwas Umpacken bezahlten wir unsere Bleibe und machten uns auf nach Albanien.

Albanien. Landschaftlich wunderschön. Ich wurde überrascht von den vielen gut ausgebauten Strassen. Diejenige die eher aus Löcher als Asphalt bestehen gibt's allerdings auch, vor allem in und um den Dörfern. Da haben wir die meisten Töfftouristen gesehen auf unsere Reise. Macht auch Sinn - es gibt so viele Wege und Routen, man kann sich in dem Land dumm und dämlich fahren.
Dies allerdings nur im idiomatischen Sinne, denn Tücken sind genug vorhanden. Viecher am Strassenrand, Kinder und Jugendliche die einem mit einem Händeklatsch grüssen wollen und dabei fast vor dem Töff hinstehen, überall Müll und Dreck und Schrott, und sogar eine 3-Meter-Eisenstange die direkt nach einer Rechtskurve horizontal in die Strasse hinausragt.
Was ich von der Bevölkerung halte schreib ich mal nicht hin. Eins sage ich aber: Von allen Ländern, die wir besuchten, war Albanien mit Abstand die dreckigste.

Wir kamen nach etwa fünf Stunden abwechselnd zügiger und extrem holpriger Fahrt in Shkoper an. Dort musste die Benelli nochmal tanken; dann überquerten wir die Grenze nach Montenegro.
Dort war unser Ziel Bar, ein hübsches touristisches Städtchen an der Küste. Dort nahm ich das teuerste Hotel der Reise, die Princess, eine Viersterne-Absteige. Restaurants hats in dem Gebiet genug, aber nicht so viele Hotels wie man von einer Hafenstadt erwarten würde. Das Essen war auch wieder teurer - nix mehr mit €18-Vollmenus inklusive Getränke. Na ja, die anderen Balkanländer haben uns kostenmässig halt recht verwöhnt - Bar war nicht teurer als die italienischen Städte, wo ich sonst gerne logiere während meinen verlängerten Wochenenden dort.
Die Palmen und die warme Meeresbrise sorgten für eine gemütliche, richtig ferienmässige Stimmung. Bar hat mir gefallen, obwohl's ein Touristenkaff ist.



 

Monday, September 30, 2013

Balkan Tour - Schweiz-Rumänien

Zehn Tage. Zwölf Länder. Vier tausend dreihundert fünfzig Kilometer.

Am späten Nachmittag des 19. ging's los, zu dritt im Single Cab, mit Gepäck und zwei grosse Nicht-Tourer hinten auf der Ladefläche.

Der Brüetsch und sein Kollege wären wohl die Nacht durchgefahren aber ich weigerte mich. Wir waren in den Ferien und Stress hatte da nix verloren. Beim Stuttgarter Flughafen fuhr ich ab der Autobahn und besorgte uns ein Hotel. Wir waren am nächsten Morgen wieder unterwegs bevor's überhaupt hell wurde und am frühen Nachmittag am Ziel.

In Novi Sad wurden die Motorräder abgeladen und weggesperrt. Bacchus wurde dann erst Mal dem Lackierer vorgeführt.
Ich brauchte einige Zeit um mich für eine Farbe zu entscheiden. Logisch - Bacchus' Haube war voll mit Farbmustern. Die Idee mit roten Streifen auf schwarzem Grund wurde - erwartungsgemäss - verworfen. Zu normal. Die Farbe für die ich mich endlich entschied ist zwar nicht sofort auffällig, hat aber einen speziellen Effekt und wird auch gut als Basis funktionieren falls ich den Truck zwischendurch mit Folienverzierungen aufpeppen will. Und weil ich auf Streifen und Logos verzichtet kostet die Rundumerneuerung nur €2000, einige hundert weniger als ursprünglich angedacht.
Updates mit den Fortschritten des Lackierers folgen, wenn/falls ich Fotos bekomme.

Nachdem ich mich endlich für einen Lack entschieden hatte gingen wir zum Mech, der einen grossen Service durchführen wird. (Kostet in Serbien nur €250, also warum nicht?) Gruss, einmal rundum, und ich liess mein Auto in irgendeiner serbischen Einfahrt stehen. Wenn ein Kollege und der Brüetsch das ganze nicht schon mal durchgemacht hätten wäre mir ganz schön mulmig gewesen. Oder besser gesagt, ich hätte die Übung wohl gar nicht angebrochen.

Am Samstagmittag, nach einem kurzen Besuch am Platzmarkt, verabschiedeten wir uns vom Kollegen und liessen unsere Maschinen den Ostwind schnuppern. Am Abend zuvor in einer viel zu lauten Bar hatten wir uns entschieden, 800 Kilometer Umweg zu machen um den Drumul Transfagarasan in Rumänien zu fahren.





Auf den Weg dorthin besuchten wir Cugir, den Namensgeberort der rumänischen Kalaschnikow-Variante. Bei unserem Besuch war eine Roma-Festivität in vollem Gange, also mussten wir das Zentrum umfahren. Dafür sahen wir recht viel vom Städtchen und wurden wie überall im Land grinsend gegrüsst. BMWs gabs zu Hauf, und einige japanische Tourer, aber Sportmaschinen wie unsere sahen wir nirgendwo, und sie haben der Bevölkerung in jedem der besuchten Länder ziemlich viel Freude bereitet.






In Cugir suchten wir ein Strassen die auf meiner grossen Karte eingezeichnet war. Sie sollte südlich von der Stadt wegführen und später in eine Hauptstrasse eintreffen. In meiner transylvanischen Detailkarte war diese Route nicht drin - aus gutem Grund, siehe Bild. Solche Wege gibt's viele in Rumänien, und bei besserem Wetter/anderem Moped/mehr Zeit hätte ich gar nix dagegen, sie tagelang zu erforschen. Aber wir hatten ein Ziel und sind darum zurück auf die Hauptstrasse.



Von der Strasse in den Wolken selber habe ich leider keine gute Bilder weil es sehr neblig war. Oben am Pass hielten wir beim Markt an und kauften heisse Maiskolben als Handwärmer und zum Zmittag.

Ein rumänischer Junge starrte gebannt auf die Benelli bis ihn der Brüetsch ansprach, ob er darauf sitzen wolle. Der Junge holte sein Vater als Dolmetscher, da dieser etwas Englisch konnte, und so schwatzen wir noch einige Minuten bevors auf der Südseite den Berg hinab ging. Weiter unten gabs wieder Sonnenschein und trockene Strassen und wir konnten unsere Maschinen richtig ausfahren.

Wir blieben zwei Nächte in Rumänien. Am zweiten Abend waren wir in Bran, in einem Zimmer mit Sicht auf die berühmte Burg. Eigentlich wollten wir das Schloss besichtigen, merkten aber bei der Ankunft dass Rumänien in einer anderen Zeitzone ist und überhaupt war es spät. Am nächsten Morgen machte die Burg erst um Mittag auf; um die Zeit waren wir schon 200 km südlich, auf dem Weg nach Bulgarien.


Wir hielten kurz auf einem Parkplatz neben der Hauptstrasse um etwas zu trinken, Öl beim Beast nachzufüllen - sie hatte bereits tausend Kilometer hinter sich und brauchte dementsprechend wieder 300 mL - und die Beine ein bisschen zu vertreten. Streunende Hunde gibt es zu zehntausende in Rumänien; wo man auch hingeht verdreckte, kranke und verletzte Köter. In den vergammelten Flugzeugen die beim Parkplatz standen - keine Ahnung wieso die dort waren, aber als Ausstellungsstücke wurden sie nicht deponiert - hauste ein Mensch und ein Rudel der allgegenwärtige Streuner. Auf dem Parkplatz gab es ein Welpe, der nicht zum Rudel gehörte. Ich gab dem kleinen Kerl einen kurzen Kraul hinter den Ohren und er machte es sich sofort im Schatten der Buell bequem, während ich Öl nachleerte.

Die Streuner sind mir ziemlich egal und es ist wohl am besten wenn ihre Zahl zurückgeht. Aber ich hoffe doch, dieser Knäuel sieht ein nicht allzu hartes Leben entgegen. Ich wünschte ihm viel Glück, als wir uns wieder auf dem Weg machten.

An dem Tag brachten wir geschlagene 600 Kilometer hinter uns, wovon das meiste geraudeaus ging mit einem starken Wind von Nordwesten. Das Beast hatte gar keine Freude daran - ab andauernde 4000 Touren leuchtet die Motorenlampe. Wird wohl ein Zusammenhang mit dem Ölverlust haben, denn sie fährt sonst ganz normal für ihr Alter und schafft auch 160 km/h ohne mechanische Proteste. (Die knapp 90t km auf der Uhr lassen sich aber echt nicht mehr verleugnen...) So schafften wir es bis Nis, Serbien, nachdem wir ein Zipfel von Bulgarien durchquert hatten.

Ab dort geht's dann weiter im nächsten Berichtsabschnitt; für heute ist's genug.

Tuesday, July 9, 2013

Drei Tage Italien

Die grossen Töffferien sind dieses Jahr bisher etwas auf der Strecke geblieben. Mindestens ein Italien-Wochenende per annum ist aber Pflicht. Ich freute mich extrem auf den vergangenen Freitag. Die Wettervorhersage konnte nicht besser sein. Das Beast hatte genug Öl in der Schwinge, vörig Profil auf den Gummis, und war frisch ab Service. Hopp, über den Julier, dann der Maloja, der endlich Baustellen-frei ist. Schöner Pass, der Maloja. Den bin ich zuletzt vor zwei Jahren gefahren.
Eigentlich hatte ich vor gehabt, im Südtirol und dem Trentin rumzukurven, ohne Reiseziel. Aus Neugierde hab' ich dann am Vorabend die Entfernung nach Pisa und Florenz nachgeschaut. Ich war noch nie in den beiden Städten, und 641 km (ohne Autobahn, aber sonst möglichst direkte Anfahrt) dünkten mich machbar.
Aber das war natürlich etwas sehr optimistisch. Am Freitagabend um 1800 Uhr hatte ich erst 550 km und die Po-Ebene hinter mir. Ich wäre fast auf der Autobahn zwischen Bergamo und Brescia eingeschlafen und war ziemlich mürrisch.
Also wieder Planänderung. Einkehr in einem Viersternehotel, ein feines Nachtessen, und ich fühlte mich schon wieder besser.




Am nächsten Morgen ging's zurück über die Po-Ebene, und per Zufall bzw. falscher Strassenwahl an die Ostseite des Gardasees. Auch recht. Die Westseite kenne ich gut; auf der Ostseite bin ich bisher nie gefahren. Dabei ist sie genau so schön und viel weniger befahren als das Gebiet um den Lago d'Idro.
Kein Wunder auch, bei den winzigen, holprigen Strassen des Valpolicella. Ich hatte einen Riesenspass an dem Gebiet.
Nach 350 km nahm ich mir in Rovereto ein Hotel. Am Gardasee hatte es viel zu viele Leute, und Rovereto war ein guter Ausgangspunkt für die Heimfahrt am Sonntag.




Der Passo di Tonale musste ich auslassen weil die Tagestour sonst zu kurz gewesen wäre, aber der Passo Vivione konnte ich nochmals unter die Räder nehmen. Dann Aprica, Bernina, Albula... Ich kam gut vorwärts; dachte, ich werde um 18 Uhr zu Hause sein, bevor das Sommergewitter über mein Berg losbricht. Ehem. Und dann stand "Landeck" und "Reschenpass" angeschrieben und ich war in Österreich. Ich hatte im Hitze des Strassenkampfs noch den Flüela genommen.
Tja. Schlussendlich waren es 650 km Tagesdistanz, bis das Beast unter den heimische Balkon (des Nachbarhauses) stand, und wir waren sogar beide trocken. Der Wolkenbruch in Österreich passierte genau über den Bregenzer Strassentunnel. Üblicherweise hab' ich nicht so viel Glück mit dem Wetter.

San Francesco, Valpolicella

Italien ist und bleibt mein Lieblingsland zum Töff fahren. 

Thursday, June 20, 2013

Kriegstätte

Letztes Wochenende bin ich zu Bekannten gefahren, welche in der Nähe von Kaiserslautern wohnen. Am Freitagmittag bin ich abgefahren; nach 21 Uhr bin ich angekommen. Am Zwischendurch hab ich mich eben im Elsass verfahren. Es war eine wunderschöne Tour. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, also sind die einzigen Fotos, die ich von dem Wochenende habe, solche die meine Bekannte beim Tagesausflug nach Verdun genommen hat.

Faszinierende Landschaft, dort um Metz. Ich habe mir vorgenommen wieder dorthin zu fahren, aber nächstes Mal für ein ganzes Wochenende, mit Wanderschuhen. Ich will die Bunker von innen sehen, den überwachsenenen Gräben entlanggehen, und mehr Zeit in den zerstörten Dörfern verbringen. Einen Tag reicht überhaupt nicht aus.
Es gibt noch viel zu tun, vieles zu sehen, viele Gebiete zu bereisen. Das Beast hat noch massenhaft Kilometer vor sich.

Tuesday, May 28, 2013

Flucht nach Süden


Letzte Woche gabs Schnee hier oben auf der Alp. Das Wochenende sollte nichts als Matsch und Kälte liefern, und ich hatte vor, trotz dem miserablen Wetter in die Hallertau zu fahren. Lieber Regen als Schnee.
Doch dann meldete sich Eva mit dem Bescheid, dass der Lackierer nicht fertig geworden war mit den Klarschichten auf die GFK-Teile. Ob ich nicht im Juni kommen könne.
Ich tu mir den Gefallen und fahre erst rauf, wenn ich eine richtige Tour in richtigem Sommerwetter draus machen kann. Aber derweil blieb ein lausiges Wochenende vörig den ich auf keinen Fall zu Hause verbringen wollte.
Also fuhr ich mit zwei Brüdern und dem Auto (Brüetschs Auto, ein Skoda Octavia) nach Serbien. Dort hatten wir 20°C  und Sonnenschein.



Sämtliche Bilder kommen übrigens vom jüngsten Bruder, The Kid.

Der Brüetsch kennt das Gebiet um Novi Sad mittlerweile ziemlich gut; The Kid und ich bekamen von seinem Bekannten am Samstag den Crashkurs für neue Besucher.
Aussicht von der Petrovaradin-Festung auf die Donau






Ein zerbombter Fernsehturm, immer noch in Betrieb. Steht mitten im geilsten offroad-Gebiet den ich je gesehen habe. Wir kreuzten zwei 450er Dirtbikes und sechs schwere Quads, dreckig von oben bis unten. Es sah nach einem Heidenspass aus. Absolut freie Fahrt und kilometerlange Trails.








Wir besuchten ein orthodoxes Kloster und die uneinnehmbare Petrovaradin (dort muss ich nochmal hin und die 30 Kilometer Tunnel unter der Festung durchwandern), bummelten durch Novi Sad, assen serbische Gerichte und tranken serbisches Bier und Absinthe (ich zumindest), und ich besorgte mir vier Strassenkarten vom Balkangebiet und Griechenland, alles unter den wachsamen Augen der heiligen Jungfrau, die uns Reisende mit Segen eines orthodoxen Mönchs schützen sollte.


Hat sie auch super gemacht, vor allem am Sonntag als wir ab Wien in strömendem Regen Richtung Schweiz blochten.


Für mich war diese spontane Reise grad doppelt gäbig. Ich sah kein Schnee, und ich bekam einen ersten Eindruck vom Gebiet, den das Beast Ende August unter die Räder nehmen soll. Dann, nämlich, beladen der Brüetsch und ich den Dodge mit meiner Buell und seinem Husky und fahren nach Novi Sad. Dort wird Bacchus auseinandergenommen, kriegt sämtliche Kratzer und Dellen ausgedengelt, alle Rostschäden behoben und ein neues Lackkleid verpasst. (Grundfarbe schwarz metallisé bleibt, aber über die Verzierungen bin ich mir noch nicht im Klaren.) Dies wird 3-4 Wochen dauern; er bleibt unten und der Brüetsch und ich fahren auf Umwegen nach Hause. Brüderchen holt dann den Dodge ab, wenn er ca. Mitte September wieder in Serbien ist.
Ab Novi Sad fahren wir Rumänien-Bulgarien-Griechenland-Mazedonien-Kosovo-Albanien-Montenegro-Bosnien-Kroatien-Slowenien-Südtirol und Ankunft zu Hause am 2. oder 3. September.
Diese Ferientage hatte ich grösstenteils schon für das Alpengrollen geblockt, aber es ist nun Mal wichtiger, dass mein guter alter Süffel nächstes Jahr durch die MFK kommt. Und ich habe nicht genug Ferientage (oder Geld) für beides. Also kein Grollen das Jahr, dafür ein Balkan-Abenteuer.

Saturday, March 16, 2013

Camaro SS

Anfangs Monat war ich eine Woche in L.A. Ich hatte bei Avis ein Auto der Kategorie "Premium" gemietet, aber der Mitarbeiter machte mich auf die Manager Specials aufmerksam. Für ein Paar hundert Dollar mehr konnte ich etwas richtig sportliches mit nach Hause nehmen... Aufgelistet waren Mustang, Challenger, Camaro, Corvette, BMW und Volvo.
Die letzteren zwei waren natürlich keine Option, obwohl die BMW eine M war. Nö, da sollte American Muscle her.
Corvette war keines vorhanden. Der Challenger R/T tönte zwar am aggressivsten, aber ich nahm am Schluss die Camaro. 6.2 Liter Hubraum, 405 Pferde, rot, mit blauer Innenbeleuchtung. Einfach wunderschön. Die einzige Unvollkommenheit war das Getriebe: Automat. Aber immerhin mit Wippschaltung, und die Sache tat meiner Freude kein Abbruch.
Städte sind nicht so mein Ding, vor allem nicht riesige Metropole wie L.A. Ich war seit fünf Jahren nicht mehr in den USA gewesen, und das war das erste Mal, dass ich ganz auf mich gestellt war. Aber die Nervösität verflüchtigte sich bevor ich vom Avis-Parkplatz weg war. Ich hatte eine Reisebegleiterin der feinsten Art.

Keine 24 Stunden nachdem ich die Camaro bekam wurde ich auf der 118 von der Highway Patrol gestoppt. 80 Stundenmeilen in einer 65er Zone - ich hatte die gleiche Geschwindigkeit drauf wie alle anderen.
Einheimischen sagten mir, dass ich bloss wegen dem Auto und der blonden Haare herausgefischt wurde. Gut möglich, denn der nette junge Herr in Uniform liess mich mit einer Verwarnung und eine Erklärung der kalifornischen Geschwindigkeitsbeschränkungen weiterfahren.
Ich schaute nachher öfters aufs Tacho, zumindest auf den Freeways und Interstates. Aber bei den Roadtrips nach Big Bear,
Downtown Big Bear

Yucca Valley,
California backroads

Joshua Tree, Las Vegas und Death Valley, als die Strassen eng und verlassen wurden, da war kein Halten mehr. Die Camaro hat ein wunderbares Kurvenverhalten - sehr stabil im Drift, wie auf Schienen in der Kurve, vörig Power, und ab 3000 Touren ein furioses Grollen im Motor. V8 ist nicht gleich V8, und ich hatte noch nie so Freude an vier Rädern.






Über die Sierra Nevadas kamen wir in Schnee

Rainy season in Death Valley










 
und in Death Valley navigierten wir durch überflutete Strassen. Mit richtigem Handling meisterte die Camaro aber auch diese Strapazen ohne weiteres. Sie war am Abend halt einfach braun statt rot.




 



Nachdem wir aus Death Valley rauskamen wurden die Strassen langsam trocken und die Landschaft noch karger.

Ich glaube, es vergehen diesmal keine fünf Jahre bis ich mein zweites Heimatland wieder besuche.
(Gugge da. Die Camaro hat sogar etwas Patriotismus in mir geweckt.)




Denn so ist's mir am wöhlsten. Ein Muscle Car, ich solo und eine Strasse nach irgendwo.

Monday, September 3, 2012

Alpengrollen 2012

Bei Abfahrt Sommer, bei Rückkehr Herbst, und dazwischen lagen sechs Tage Alpengrollen.

Das Gebiet: Die Dolomiten.
Das Epizentrum: Sporthotel Arabba.
Die Groller: 74 Buells, 1 Hypermotard, 1 KTM und eine alte Kawasaki.
Das Wetter: Sonnig, heiss, sonnig-dann-Regen, Regen, Regen, Regen-dann-sonnig.
Das Fazit: Hueregeil.


Das letzte Mal, als ich in den Dolomiten war, war 2010 bei der Rückreise von Weissensee. Mir hat’s dort irgendwo – den Pass weiss ich nicht mehr – bei einer lockeren Linkskehre geschmissen. Das Moped und ich sind etwa 30 Meter gerutscht, und zwei Tage später kassierte ich einen Rüffel von der Rennleitung weil der Spiegel fehlte, die Schwinge übel zerkratzt und das Beast über und über mit Dolomitendreck bekleckert war. Aber fahren tat sie noch. Ich ebenso, wenn auch mit blauen Flecken von der Hüfte bis zum Fuss.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Dolos sind mit einem Scheissbelag ausgestattet. Ich war vorgewarnt.
Die erste Erinnerung kam am ersten Tag als „meine“ Anfahrtsgruppe – SuperTTimmi, XBanane und ich – den Passo Pordoi überquerten, um zu unserem Hotel zu gelangen. Mir rutschte allpott das Hinterrad weg.
Am nächsten Tag, Mittwoch, machten wir eine 400 km Runde, und ich konnte das Driften üben. Am Anfang war‘s noch ganz lustig, aus der Kurve Gas zu geben, fühlen wie der Heck immer schräger wird und mal abwarten, wann der Z8 wieder greift. Aber auf Dauer isses mühsam. Vollgas liegt nicht drin, und der Grip kommt nicht unbedingt bevor die Strasse ausgeht.
Aber ich will mich nicht zu laut beklagen. Die Z8 hat gute Arbeit geleistet – im Gegensatz zur Pirelli Angel, die ich seit dem Rutscher in 2010 nicht mehr aufgezogen hatte – und wenn wir auch nicht Heizen konnten, wir waren zügig unterwegs. Die Dolos sind wie mein Hausgebiet, nur halt etwa 1000 Meter höher: Kurven ohne Ende, und an jeder Strasse gibt’s Abzweigungen die zu noch mehr Kurven führen.
Essen tut man auch gut, dort bei den Italienern. Das Hotel war einsam Spitze – edle Weine, feine Menüs und gute Bedienung. Die Regentage schlug ich mir mit einem Buch und einen Abstecher (im Bürgerkäfig) nach Venedig tot. Ich fahre ja genug das Jahr durch und komme öfters ins Nasse; da muss ich das nicht auch noch in den Ferien haben.
Die Landschaft ist ganz hübsch; die Parkplatzbelegung auch.

Obwohl ich nicht so viel fahren konnte/wollte wie geplant war ich ganz zufrieden mit dem Ganzen. Das Grollen ist für mich das jährliche Leistungscheck: Da kann ich meine Fortschritte beurteilen und sehen, wo’s noch hapert mit dem Können. Und ich muss sagen, seit dem Grollen 2010 hab ich einiges gelernt und verbessert. Meine Maschine ist auch standfester geworden. Das Beast hatte weder elektrische noch motorische Probleme, wir bauten keine Unfälle, und dass der Rizoma-Spiegel nach 57‘000 km nicht mehr hält, dafür kann die Buell nix. Auch nicht für die ausgebrannte H7, nach 15‘000 km und nur drei Monaten.
Am Sonntag war’s dann schon zu Ende, und die Groller fuhren im Regen ab. Das schlechte Wetter währte jedoch nicht; sobald wir ins südtirolische kamen konnten wir unsere Regenkombis abziehen und bei hängendem Gashand über die Passo del Tonale düsen.
Auer: Regenkombis wieder einpacken.
Den Bernina rauf haben wir etwa 40 BMW Z3s überholt, die Rennleitung hat uns – oder zumindest mich bis am Schluss – verschont, und mir konnte nicht mal der Nebel und das Nieselregen, die mich auf meinem Pass erwarteten, die gute Laune verderben.
Dem Wetter zum Trotz: Das Alpengrollen ist und bleibt ein Muss.

Monday, July 16, 2012

Lastesel

Nicht das Beast. Da passen keine Koffer dran und es bleibt keine Tasche angegurtet.
Aber ich, ich shoppe gern. Baumholder und Ramstein waren wieder angesagt. Hab zwar weniger gekauft als beim letzten Mal, dafür grad alles nach Hause geschleikt, doppelt beladen mit zwei Rucksäcken. (Letztes Mal liess ich eine grosse Kiste bei den Bekannten, voll mit Ware, welches nicht in den Rucksack passte.)
Überraschenderweise ging's besser als letztes Jahr. Ich weiss nicht, ob der 70-Liter-Rucksack leichter war; jedenfalls hatte ich nicht die Rückenschmerzen die mich bei der letzten Rückkehr dazu zwangen, alle 50 km anzuhalten und abzusteigen.

Das Wetter am Freitagabend war wechselhaft. Ich fuhr etwa zweieinhalb Stunden, teilweise im leichten Regen, bis knapp vor Offenburg. Dort nahm ich dann ein Zimmer im Landgasthof Kranz. Sehr zu empfehlen: freundliche Wirtin, schöne und komfortable Zimmer, Wetterschutz für die Maschine und gutes Essen.
Am nächsten Morgen regnete es immer noch, oder wieder, leicht. Bis zur französischen Grenze bei Strassbourg blieb ich einigermassen verschont von der Nässe. Dort holte mich der Regen ein, und zwar deftig. Pariser angezogen und so schnell wie möglich (auf Hauptstrassen; Autobahn ist mühsam) nach Norden. Erst in Rehweiler, ca. 30 km vom Ziel, konnte ich den Regenkombi wieder abziehen.
Heute konnte ich die rund 500 Kilometer nach Hause im Sonnenschein abspulen. Es ist aber nach wie vor viel zu kalt für Juli.
Bei meiner Ankunft kontrollierte ich mein Vorderpneu. Die Gummis sind seit den Pyrenäen drauf, also über 6000 km auf dem vorderen. Zu meiner Überraschung zeigt's noch Profil im legalen Rahmen; bis 1000 km liegen noch drin.
Ich glaube, Michelin hat wieder meine Beachtung. Hab die Marke mit dem PiPo abgeschworen, nachdem ein Satz nach 2000 km (also zwei Wochen) fertig war. Aber diese neuen Pilot Roads sind eine feine Sache.

Sunday, June 3, 2012

Pyrenäentour 2012

Sechzehn Tage Töfffahren, 6000 Kilometer, sechs tolle Leute - bessere Ferien gibt's gar nicht.
Am Auffahrtdonnerstag um 9 Uhr hab ich Den Zürcher auf dem Albispass getroffen und ab ging's nach Bern. Das Beast hatte seit einer Woche einen neuen Satz Conti RoadAttacks aufgezogen, und vor zwei Tagen hatte ich eine Hecktasche gekauft. Ich versuchte zum ersten Mal eine Töfftour ohne alles Gepäck auf dem Rücken zu tragen. Ging vorerst auch gut.
In Bern holten wir den Röster ab; am Wochenend sollten uns die anderen drei in St. Cyprien treffen; sie würden mit dem Transporter anreisen.
Wir waren nicht mal ausser Landes als sich der erste Riemen meiner Hecktasche losflatterte. Toll. Röster ist auch Segler und machte die Sache wieder fest, aber in St. Cyprien ging ich mein Gepäck nochmal durch, nahm alles raus was ich nicht wirklich ums verrecken täglich definitiv brauchte - der Grossteil war Werkzeug und Ersatzteile - und fuhr dann nur mit dem Rucksack. Das Beast ist vielleicht eine Ulysses aber als Lastesel tut sie sich schwer.
Roter Vermouth und Abendsonne im Schloss Cardona.

Das Wetter war bei Abfahrt gut aber nicht grossartig; sie verschlechterte sich dann am Wochenende. Am ersten Tag gingen bei mir die Hinterradlager kaputt. Die Herren liessen sich den Ferien dadurch nicht vermiesen, machten 100 km kreuz und quer durch Lyon und fanden tatsächlich passende Lager, da der grosse Harley Mech sie nicht hatte. "Suitable for Mercedes-Benz" stand auf den Schachteln. €30 für zwei.
Bin ich froh um gute Freunde.
Es folgte grober Ölverlust beim M2 des Zürchers, was allerdings auch genug eingedämmt werden konnte um uns die rassige Weiterfahrt zu erlauben. Buell halt. Zwischendurch möchte man die Dinger schon bitten doch kurz auf BMW zu machen und mit den Faxen aufzuhören. Aber wenn die Problemanfälligkeit... Pardon, der Charakter nicht wäre müssten wir auf Ducati oder Moto Guzzi umsteigen. Gehört sich schon so.
Am Samstagabend nieselte es als wir - die Schraubergruppe - in St. Cyprien eintrafen wo sich die Busgruppe bereits bereits einquartiert hatte. Am nächsten Morgen war der Himmel immer noch grau. Wir hatten eigentlich bis in der Nähe von Barcelona gewollt, kamen aber nicht so weit. Wir verbrachten zwei Nächte in Cadaquès weil es sich schlichtwegs nicht lohnte, weiterzufahren. Röster und ich fanden am Montag etwas Sonne an der südliche Costa Brava; dafür war das Essen hundsmiserabel. Ab Dienstag lachte endlich die Sonne und die Ferien fingen so richtig an. Wir feierten das mit einer Übernachtung im Parador Schlosshotel in Cardona.
Für Den Zürcher war's dann aber bald auch wieder zu Ende: Beltriss. Er erlebte seine eigenen Abenteuer beim besorgen eines passenden Belts mit 133 Zähne, und nachher noch Vorderradlager, während wir weiterfuhren. Ich übernahm seine Aufgabe als Road Captain bis er in der zweiten Woche wieder zu uns stiess.

Am Freitag musste die Busgruppe wieder nach St. Cyprien, da waren's nur noch zwei kleine Buellfahrer. Röster und ich widmeten uns der Kultur: San Sebastian, Bilbao und Pamplona. 
Kilometer 300, oder so, zwischen San Sebastian und Bilbao.
Zwischen ersteren zwei Städte liegen 70 km Luftlinie - wir machten 400 und kamen in einer Stadt an die voll im Fussballfieber war. Jeder trug rotweisse Shirts oder Schals; Café-Tische waren rot-weiss gestreift; sogar Autos in den Schaufenstern wurden mit den Stadtfarben dekoriert. Es galt Bilbao gegen Barcelona. Barca gewann - natürlich. Auch recht - so konnten wir ausgeruht in den Freitag starten. Das war wichtig, denn am Mittag tauschten wir die Maschinen, und ich kam nudelfertig in Pamplona an. Eine S1 braucht schon ab Werk rechter Körpereinsatz beim fahren. Rösters S1 macht mit breitem, flachem Lenker gleich doppelt so viel Arbeit. Dafür hatte Röster einen gemütlichen Nachmittag auf dem breiten Sattel und sanften Fahrwerk des Beast.
Ich achtete nachher darauf, dass wir vermehrt Pausen machten.
Am Samstag trafen wir Den Zürcher dann in Lourdes; es ging langsam wieder Richtung Schweiz. Der Zürcher besuchte am Sonntagmorgen noch die Quelle des Wallfahrtsortes während Röster und ich Kurven wetzten. Und zwar dermassen, dass wir Mitte Nachmittag feststellen mussten, dass der Hinterreifen des S1 bis auf die Karkasse runtergefahren war. Frankreichs Bergstrassen sind mit einem Belag bedeckt der sich richtig in den Pneu verbeisst. Ich mag's nicht weil man darauf Kies und Splitt - und von dem Zeug gibt's in Frankreich viel zu viel auf den Strassen - kaum erkennen kann. Und es frisst wirklich saumässig Gummi. Vorläufiger Endstation: Seix.
Irgendwo im Aveyron
Mein Vorderfinken war auch ziemlich runter, also gab's am nächsten Tag grosses Pneuwechseln. Röster wechselte gleich beide; das Beast bekam vorne ein Pilot Road 3. (Hinten auch, ein Paar Tage später.) Wir trafen am Abend dann Den Zürcher in Carcassonne.
Fliegen, Öl und Dreck. Hat hart gearbeitet in den Ferien, das Beast.
Dort liessen wir's bleiben mit der Kultur und kamen am nächsten Morgen zeitig auf die Strasse. Der Zürcher übernahm wieder als Road Captain und wir waren plangemäss am Freitagnachmittag in Bern, wo wir uns verabschiedeten.
Nach Hinterpneuwechsel in Thun und Heimfahrt auf Umwegen - versteht sich - war's bald 21 Uhr, als das Beast und ich vor der heimischen Garage standen. Ich hätte locker noch eine Woche anhängen können, aber am Samstag war Dienst angesagt, und morgen geht's wieder normal zur Arbeit. Wahrscheinlich im Regen.
Macht nix. Die spanische Sonne wird mir noch eine ganze Weile in guter Erinnerung bleiben.